Wer in Cagayan de Oro nach den ältesten noch bestehenden Geschäften der Stadt fragt, kommt an einem Namen kaum vorbei: Wadhu’s Quality Store an der Ecke von J.R. Borja Street und Pabayo Street.
Mein eigenes Video eines Straßenspazierganges. Leider konnte ich damals keine Filmerlaubnis vom Inneren des Wadhu-Lades in der kurzen Zeit erhalten.
Das Geschäft wurde 1936 von Wadhu Dharamdas Uttamchandani, einem aus Indien stammenden Händler, gegründet. Damit besteht Wadhu inzwischen seit rund 90 Jahren. In einer Stadt, die sich in diesen Jahrzehnten gewaltig verändert hat, ist allein diese Tatsache bemerkenswert. Wadhu wird deshalb auch als das älteste Einzelhandelsgeschäft von Cagayan de Oro bezeichnet.
Von Indien nach Cagayan de Oro
Wadhu Dharamdas Uttamchandani kam bereits 1924 aus Indien auf die Philippinen. Zunächst arbeitete er im Indian Bazaar seines Onkels in Zamboanga City. Nach zwölf Jahren hatte er genügend Erfahrung und Kapital gesammelt, um seinen eigenen Laden zu eröffnen.
Ursprünglich trug das Geschäft den Namen Wadhu’s Home of Quality.
Bildnachweis: Indian Envoy pays homage to Cagayan de Oro’s Oldest Store - Metro Cagayan de Oro
Der erste Laden befand sich in Plaza Divisoria, dem damaligen Zentrum des Handels in Cagayan de Oro. Das Geschäft war von Läden japanischer Händler umgeben und befand sich in der Nähe des öffentlichen Marktes.
Eine Besonderheit für die damalige Zeit war, dass Wadhu Waren nicht einfach nur bei örtlichen Lieferanten einkaufte. Viele Produkte wurden per Versand aus den Vereinigten Staaten bestellt – unter anderem über den berühmten Sears-&-Roebuck-Katalog.
Uhren und Sportartikel
Wadhu wurde vor allem durch Uhren und Sportartikel bekannt.
Noch heute verbindet man den Namen Wadhu in Cagayan de Oro besonders mit Armbanduhren. Dazu kommen Sportausrüstung, Sonnenbrillen, Uhrenarmbänder, Uhren und weiteres Zubehör. Auch T-Shirts und Billardartikel gehörten beziehungsweise gehören zum Sortiment.
Das Geschäft ist dabei kein großer Supermarkt mit endlosen Regalen. Gerade das Gegenteil scheint ein Teil seiner Besonderheit zu sein: überschaubare Glasvitrinen, ausgewählte Waren und Mitarbeiter, die ihre Kunden persönlich kennen.
Diese persönliche Betreuung war offenbar schon immer ein wichtiger Bestandteil der Firmenphilosophie.
Ein ungewöhnliches Kapitel: Erwachsenenspielzeug
Zu den ungewöhnlichsten Kapiteln in der langen Geschichte von Wadhu gehört zweifellos eine Episode, die ich selbst erlebt habe.
Als wir noch in Cagayan de Oro lebten, wurde bei Wadhu tatsächlich Erwachsenenspielzeug in der Auslage angeboten. Es handelte sich also keineswegs nur um ein Gerücht oder eine später erzählte Geschichte – ich habe die entsprechenden Artikel selbst in der Schaufensterauslage gesehen.
Für die damalige Zeit war das in Cagayan de Oro alles andere als gewöhnlich. Das Angebot sorgte entsprechend für erheblichen Gesprächsstoff und löste in der Stadt einen regelrechten Sturm der Entrüstung aus.
Heute mag man sich fragen, weshalb ein solches Sortiment derart große Aufmerksamkeit erregen konnte. Doch die gesellschaftlichen Vorstellungen und insbesondere die Bereitschaft, solche Waren offen in einem Geschäft auszustellen, waren damals deutlich anders als heute.
Gerade deshalb gehört diese Episode zur Geschichte von Wadhu. Ein Geschäft, das vor allem für Uhren, Sportartikel und seinen Reparaturservice bekannt war, hatte für eine gewisse Zeit etwas in der Auslage, womit wohl kaum jemand gerechnet hatte.
Und genau solche kleinen, manchmal kuriosen Episoden machen die Geschichte eines alten Geschäfts interessant. Sie erzählen nicht nur etwas über den Laden selbst, sondern auch über die Stadt und darüber, wie sich deren Gesellschaft im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.
Die Registrierkasse, die den Krieg überlebte
Doch nichts symbolisiert die Geschichte von Wadhu besser als die alte Registrierkasse.
Es handelt sich um eine NCR-Registrierkasse aus dem Jahr 1931. Wadhu bestellte sie seinerzeit aus den Vereinigten Staaten über Sears & Roebuck.
Und dann kam der Zweite Weltkrieg.
Als das Geschäft schließen musste, nahm der Gründer seine wertvolle Registrierkasse mit. Sie wurde in Fett beziehungsweise Schmiermittel eingewickelt und im Boden vergraben, um sie vor den Kriegsereignissen zu schützen.
Nach dem Krieg wurde die Kasse wieder ausgegraben.
Bildnachweis: Indian Envoy pays homage to Cagayan de Oro’s Oldest Store - Metro Cagayan de Oro
Und das Erstaunliche: Sie funktionierte noch.
Noch erstaunlicher ist, dass sie nicht irgendwann in einem Museum landete. Sie blieb bei Wadhu und wurde weiter benutzt. Noch heute gehört diese alte NCR-Kasse zum Geschäft.
In einem Bericht aus den 2000er-Jahren wird sogar beschrieben, dass die Maschine nur Beträge bis 99 Pesos berechnen konnte. Für größere Summen musste damals zusätzlich ein Taschenrechner verwendet werden.
Heute ist genau diese Registrierkasse eines der außergewöhnlichsten Zeugnisse der Geschichte des Geschäfts.
Bildnachweis: Beide Fotos von Indian Envoy pays homage to Cagayan de Oro’s Oldest Store - Metro Cagayan de Oro
Die Uhrmacher hinter Glas
Wer Wadhu wegen einer Uhr betritt, findet aber nicht nur Verkaufsangebote.
An einer Seite des Geschäfts befindet sich der Bereich für Uhrenreparaturen. Schon ältere Beschreibungen des Ladens erwähnen eine eigene Uhrmacherwerkstatt.
Und wer den Laden in den letzten Jahren gesehen hat, kennt ein Bild, das man so wohl kaum noch irgendwo findet:
Hinter Glasscheiben sitzen die Uhrmacher an ihren Arbeitsplätzen und warten auf Kunden, deren alte oder defekte Uhren repariert werden müssen.
Mehrere Uhrmacher arbeiten dort dicht nebeneinander – in meiner Erinnerung waren es ungefähr sieben, acht oder sogar neun.
Für jemanden, der zum ersten Mal davorsteht, ist das ein unglaubliches Bild.
Während draußen Cagayan de Oro mit modernen Einkaufszentren, Smartphones und elektronischen Bezahlsystemen längst im 21. Jahrhundert angekommen ist, sitzen hinter dem Glas Menschen an winzigen Arbeitsplätzen und beschäftigen sich mit mechanischen Uhren und deren kleinsten Bauteilen.
Es ist fast, als wäre dort eine andere Zeit stehen geblieben.
Auch die Fassade hat sich verändert
Dabei darf man allerdings nicht den Eindruck bekommen, dass Wadhu vollständig unverändert geblieben ist.
Auch das äußere Erscheinungsbild hat sich im Laufe der Jahre verändert. Bereits 2014 wurde nach einer Renovierung beschrieben, dass die frühere, eher traditionelle Fassade verschwunden war, während viele Elemente des alten Innenraums erhalten geblieben waren.
Bei meinem Besuch beziehungsweise den Aufnahmen aus 2023 zeigte die Außenfassade wiederum ein deutlich neues Gesicht.
Das ist vielleicht gerade das Interessante an Wadhu: Das Geschäft muss sich verändern, um weiterzubestehen – aber im Inneren sind gleichzeitig Dinge erhalten geblieben, die man in einem modernen Laden kaum noch erwarten würde.
Die alte Registrierkasse gehört dazu.
Die Uhrmacher gehören dazu.
Und auch die Erinnerung an frühere Jahrzehnte gehört dazu.
Von Plaza Divisoria bis heute
Der ursprüngliche Standort in Plaza Divisoria ist längst Geschichte. Nach dem Krieg wurde das Geschäft wiedereröffnet und wechselte später mehrmals den Standort. Als in den 1950er- beziehungsweise 1960er-Jahren der öffentliche Markt in Richtung Cogon verlegt wurde, zog Wadhu ebenfalls um und fand schließlich seinen heutigen Standort an der Ecke Pabayo und J.R. Borja.
Dort hat das Geschäft die großen Veränderungen der Stadt überlebt.
Neue Einkaufszentren kamen.
Gaisano kam, Ororama, Limketkai, später SM und Ayala.
Moderne Handelsketten veränderten das Einkaufsverhalten.
Und trotzdem blieb Wadhu.
Heute wird das Unternehmen bereits von der dritten Generation der Familie geführt. Die Enkel des Gründers, darunter Haresh und Wadhu John, führen die Tradition weiter.
Ein Geschäft als lebendes Stück Stadtgeschichte
Vielleicht ist das die eigentliche Besonderheit von Wadhu.
Man besucht dort nicht einfach einen alten Laden.
Man sieht ein Stück Cagayan de Oro, das die vergangenen neun Jahrzehnte tatsächlich miterlebt hat.
Der Gründer kam aus Indien und begann 1936 mit einem kleinen Geschäft.
Die Waren kamen teilweise per Versand aus Amerika.
Der Krieg zwang zur Schließung.
Die Registrierkasse wurde im Boden versteckt.
Nach dem Krieg begann alles wieder von vorn.
Uhren und Sportartikel wurden verkauft.
Die Stadt wuchs.
Die Einkaufszentren kamen.
Das Sortiment veränderte sich.
Es gab sogar die ungewöhnliche Episode mit den Erwachsenenspielzeugen, die noch heute Teil der mündlich überlieferten Geschichte des Geschäfts ist.
Und während sich draußen die Stadt immer weiter verändert, sitzt im Inneren noch immer der Uhrmacher hinter seiner Glasscheibe und wartet auf die nächste Uhr, die repariert werden muss.
Daneben steht eine Registrierkasse von 1931.
Sie hat den Krieg überlebt.
Und sie hat ihren Arbeitsplatz bis heute nicht aufgegeben.



