Wer zum ersten Mal längere Zeit auf den Philippinen verbringt, bemerkt schnell eine alltägliche Besonderheit, die für viele Filipinos völlig selbstverständlich ist: Wasser gehört nach dem Toilettengang einfach dazu. Ob mit Bidet, Duschschlauch oder dem berühmten „Tabo“ – dem kleinen Wasserschöpfer aus Plastik – für einen großen Teil der Bevölkerung gilt das Reinigen mit Wasser als deutlich hygienischer als die ausschließliche Nutzung von Toilettenpapier.
Umso größer ist für viele Filipinos der Kulturschock, wenn sie ins Ausland reisen oder dort arbeiten und feststellen, dass selbst luxuriöse Hotels, moderne Flughäfen, elegante Einkaufszentren oder teure Apartments oft nur trockenes Toilettenpapier bereitstellen. Kein Bidet. Kein Wasserschlauch. Kein Tabo. Einfach nur Papier.
Für viele Menschen aus den Philippinen ist das kaum vorstellbar.
Bild wurde mit KI erstellt zu Demonstrationszweicken
Besonders OFWs (Overseas Filipino Workers), Studenten und Auswanderer berichten immer wieder von ihrer Überraschung – manchmal sogar von regelrechtem Entsetzen –, wenn sie in westlichen Ländern zum ersten Mal mit dieser Situation konfrontiert werden. Was für viele Europäer oder Nordamerikaner völlig normal erscheint, empfinden zahlreiche Filipinos als unhygienisch oder zumindest als unangenehm.
Nicht wenige beginnen deshalb sofort nach ihrer Ankunft damit, portable Bidets zu kaufen. Diese kleinen tragbaren Wasserflaschen mit Sprühaufsatz sind mittlerweile bei vielen Filipinos im Ausland Standardgepäck. Andere improvisieren mit Wasserflaschen oder versuchen sogar, ihre vertrauten Tabo-Gewohnheiten irgendwie beizubehalten.
Der Tabo selbst ist auf den Philippinen weit mehr als nur ein Gebrauchsgegenstand. In vielen Haushalten gehört er selbstverständlich zur Badezimmerausstattung und wird oft schon von klein auf verwendet. Gerade in Regionen, in denen Wasserschläuche oder moderne Bidets nicht üblich oder zu teuer sind, bleibt der Tabo die praktische und einfache Lösung.
Dabei geht es nicht nur um Gewohnheit, sondern auch um ein grundsätzlich anderes Verständnis von Sauberkeit. Viele Filipinos argumentieren ganz direkt: Wenn man sich schmutzige Hände nicht ausschließlich mit trockenem Papier reinigen würde, warum sollte das an anderen Körperstellen ausreichend sein?
Interessanterweise führt dieses Thema immer wieder zu humorvollen Diskussionen zwischen Kulturen. Manche Ausländer finden die philippinische Tabo-Kultur ungewöhnlich oder exotisch. Gleichzeitig fragen sich viele Filipinos ernsthaft, wie Menschen sich nur mit Papier wirklich sauber fühlen können.
Gerade durch soziale Medien ist das Thema inzwischen zu einem kleinen internationalen Running Gag geworden. Videos und Memes zeigen Filipinos, die schockiert auf Badezimmer ohne Wasser reagieren, während andere scherzhaft erklären, dass ein fehlendes Bidet für sie fast ein größeres Problem sei als Jetlag.
Doch hinter dem Humor steckt auch ein spannender kultureller Unterschied, der zeigt, wie unterschiedlich alltägliche Hygiene weltweit betrachtet wird. Was in einem Land selbstverständlich ist, wirkt in einem anderen fremd oder sogar unverständlich.
Interessant ist außerdem, dass sich die Situation langsam verändert. In vielen asiatischen Ländern, aber zunehmend auch in Europa und Nordamerika, werden Bidets oder integrierte Waschfunktionen moderner Toiletten immer beliebter. Besonders nach der Pandemie und den zeitweisen Engpässen bei Toilettenpapier begannen manche Menschen, ihre bisherigen Gewohnheiten zu hinterfragen.
Auf den Philippinen hingegen bleibt Wasser im Badezimmer weiterhin der Standard. Für viele Filipinos gehört ein Tabo genauso selbstverständlich zum Haushalt wie Seife oder Zahnpasta.
Und wer einmal länger dort gelebt hat, versteht oft schnell, warum viele Rückkehrer aus den Philippinen zuhause plötzlich anfangen, nach Bidets zu suchen.


