Erste Hilfe an Bord von Flugzeugen

Bei einem jährlichen Treffen ehemaliger Arbeitskollegen, berichte mir ein Thailandreisender, häufig dort unterwegs, da mit einer Thai verheiratet, dass ihm folgende Situation vor ein paar Jahren auf einem Flug nach BKK passierte

Was als entspannter Langstreckenflug mit Thai Airways begann, wandelte sich für die Passagiere schnell in eine nervenaufreibende Situation, als mehrere Reisende während des Flugs Erste Hilfe benötigten.

Als ein Passagier plötzlich über akute Schwindelgefühle sowie Schwäche klagte, wurde das Kabinenpersonal umgehend informiert. Anstelle von strukturierten Notfallmaßnahmen breitete sich jedoch eine spürbare Hektik bei der Crew aus. Die Stewardessen wirkten von Beginn an überfordert, liefen kopflos durch die Gänge und riefen hektisch nach Unterstützung. Statt Ruhe auszustrahlen und die Situation souverän zu übernehmen, übertrug sich die Unruhe des Personals schnell auf die umliegenden Fluggäste, was die Anspannung in der Kabine massiv verstärkte.

Besonders gravierend waren die Probleme mit den Stewardessen bei der ersten Hilfe. Es fehlte an grundlegenden Handgriffen, und die Abstimmung innerhalb des Teams funktionierte nicht. Zwar rief die Besatzung schließlich über die Bordlautsprecher nach einem Arzt unter den Passagieren, doch es gab kein medizinisch geschulter Helfer.

Die Crew erfragte ob ein Passagier ein Blutdruckmessgerät zur Verfügung stellen könne, da kein Blutdruckmessgerät an Bord war. Angesichts der Tatsache, dass Kreislaufprobleme zu den häufigsten medizinischen Notfällen auf Flugreisen gehören, ist das Fehlen eines solchen Basisgeräts kaum nachvollziehbar.

Ebenso dramatisch gestaltete sich die Suche nach weiteren diagnostischen Mitteln. Da ein Patient Anzeichen einer Unterzuckerung zeigte, forderten die Ersthelfer eine Überprüfung des Blutzuckerspiegels. Doch auch hier musste das Personal passen: kein Blutzuckermessgerät an Bord.

So in etwa wurde mir die Situation geschildert.

Daraufhin habe ich recherchiert, wie medizinische Hilfe in Flugzeugen eigentlich geregelt ist. Die geschilderte Situation entspricht nicht den geforderten Voraussetzungen, die an Bord für die Abdeckung von medizinischen Notfällen erfüllt sein müssen.

Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sind gesetzlich dazu verpflichtet, Erste Hilfe leisten zu können, und an Bord jedes Passagierflugzeugs befinden sich umfangreiche medizinische Ausrüstungen.

Pflicht zur Ersten Hilfe & Ausbildung Die medizinische Versorgung an Bord gehört zu den Hauptaufgaben des Kabinenpersonals. Flugbegleiter absolvieren in ihrer Grundausbildung ein intensives medizinisches Training und müssen dieses jährlich in Auffrischungskursen (Recurrent Training) erneuern. Sie sind geschult in:

  • Wiederbelebung (Reanimation): Herz-Lungen-Wiederbelebung (CPR) und der Umgang mit automatisierten externen Defibrillatoren (AED).

  • Akutversorgung: Erstversorgung bei Herzinfarkten, Schlaganfällen, Asthmaanfällen, epileptischen Anfällen, Verbrühungen, Schnittwunden oder schweren allergischen Reaktionen (Anaphylaxie).

  • Geburtshilfe: Versorgung bei unvorhergesehenen Entbindungen an Bord.

Medizinische Ausrüstung an Bord Internationale Luftfahrtbehörden (wie die EASA in Europa oder die FAA in den USA) schreiben je nach Flugzeuggröße und Streckenlänge verschiedene Notfallsets vor:

Medizinische Notfallausrüstung an Bord, KI-generiert

Medizinische Notfallausrüstung an Bord. Quelle: Aircare International

  • First Aid Kit (FAK): Standard-Erste-Hilfe-Kasten mit Verbandsmaterial, Wundauflagen, Pflastern, Handschuhen und einfachen Schmerzmitteln, den das Kabinenpersonal eigenständig nutzt.

  • Emergency Medical Kit (EMK) / Arztkoffer: Ein erweiterter Notfallkoffer mit verschreibungspflichtigen Medikamenten, Infusionen, Intubationsbesteck und Spritzen. Dieser Koffer ist versiegelt und darf in der Regel nur von anwesendem medizinischen Fachpersonal (z. B. Ärztinnen oder Ärzten unter den Passagieren) geöffnet werden.

  • Defibrillator (AED): Bei fast allen größeren Fluggesellschaften gehört ein automatischer Defibrillator zur Standardausrüstung.

  • Sauerstoffflaschen: Tragbare medizinische Sauerstoffgeräte zur Versorgung bei Atemnot.

Zusätzlich können Flugbegleiter über Satellitenfunk rund um die Uhr medizinische Beratung vom Boden anfordern (z. B. durch spezialisierte Zentren wie MedAire oder Telemedical Readiness Systems), um im Notfall Anweisungen von Notärzten zu erhalten.

Des Weiteren

Bei asiatischen Fluggesellschaften (wie Singapore Airlines, Cathay Pacific, Japan Airlines, ANA, Emirates oder Qatar Airways) gilt grundsätzlich derselbe weltweite Regulierungsrahmen, da alle internationalen Airlines den Standards der ICAO (International Civil Aviation Organization) unterliegen.

ASIANA AIRLINES

In der Praxis gelten asiatische Premium-Airlines bei der Ersten Hilfe und der medizinischen Notfallversorgung jedoch oft als extrem streng geschult und hervorragend ausgerüstet.

1. Schulung & Aufgaben des Kabinenpersonals

  • Strenge Rekrutierung und intensives Training: Die Ersthelfer-Ausbildung bei Gesellschaften wie Singapore Airlines oder Cathay Pacific ist extrem detailliert. Die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter absolvieren mehrwöchige Intensivkurse in medizinischer Notfallversorgung vor ihrem ersten Flug sowie jährliche Re-Zertifizierungen.

    EMCARE

  • Kulturelle Eigenheiten & Medikamentengabe: Während westliche Airlines oft zurückhaltend mit der Ausgabe frei verkäuflicher Medikamente sind, führen viele asiatische Carrier (z. B. Asiana Airlines) in ihren First Aid Kits Standardmedikamente wie einfache Schmerzmittel, Magentabletten oder Antihistaminika mit, die Flugbegleiter bei kleineren Beschwerden an Passagiere ausgeben dürfen.

    ASIANA AIRLINES

2. Medizinische Ausrüstung an Bord Auch bei asiatischen Airlines gibt es die international standardisierte zweistufige Ausrüstung:

ASIANA AIRLINES

  • First Aid Kit (FAK): Auf jedem Flug vorhanden für Alltagswunden, kleinere Verletzungen oder Unwohlsein.

    Eurecca

  • Emergency Medical Kit (EMK / Doctor’s Kit): Umfangreicher Notfallkoffer mit rezeptpflichtigen Notfallmedikamenten (z. B. für Herzinfarkte, schwere Intoxikationen oder allergische Schocks), Spritzen und medizinischen Geräten. Dieser Koffer darf nur geöffnet werden, wenn ein Arzt an Bord ist oder der Tele-Medizindienst zustimmt.

    ASIANA AIRLINES+ 1

  • AED (Defibrillator): Nahezu alle führenden asiatischen Fluggesellschaften haben auf Lang- und Kurzstrecken automatisierte externe Defibrillatoren an Bord.

    Sky Professionals

3. Telemedizinische Anbindung (MedLink) Da viele asiatische Routen über extrem lange Langstrecken verlaufen (z. B. Flüge über den Pazifik oder den Indischen Ozean), setzen Fluggesellschaften wie Cathay Pacific, Singapore Airlines oder Emirates stark auf bodengestützte Telemedizin-Dienste wie MedLink (MedAire).

  • Über Satellitenfunk steht die Crew innerhalb von Minuten in direktem Kontakt mit Notärzten am Boden.

  • Die Ärzte am Boden können die Freigabe erteilen, dass das Kabinenpersonal unter Anleitung auch verschreibungspflichtige Medikamente aus dem Emergency Medical Kit verabreicht, wenn kein Arzt als Passagier an Bord ist.

Wie ist es nun innerhalb der Philippinen z.B bei Cebu Pacific

Bei Cebu Pacific, der größten Billigfluggesellschaft (LCC) der Philippinen, gelten im Grunde dieselben strengen Regeln wie bei allen anderen internationalen Fluggesellschaften.

Die zivile Luftfahrtbehörde der Philippinen (CAAP - Civil Aviation Authority of the Philippines) orientiert sich strikt an den globalen Standards der ICAO sowie der US-amerikanischen FAA.

1. Ausbildung des Kabinenpersonals

  • Integrierte Ersthelfer-Zertifizierung: Flugbegleiter bei Cebu Pacific absolvieren vor ihrem ersten Einsatz eine intensive Ausbildung im Schulungszentrum der Airline in Manila.

  • Regelmäßige Trainings: Ersthelfer-Fertigkeiten (CPR/Wiederbelebung, Behandlung von Schnittwunden, Verbrennungen, Schock, Asthma-Anfällen oder Dehydrierung) gehören zum Standard. Bei Inlandsflügen in den Philippinen (oft mit hoher Luftfeuchtigkeit und Hitze am Boden) ist die Crew besonders auf Kreislaufprobleme oder Hyperventilation geschult.

  • Sprachkompetenz: Die Notfallkommunikation und Instruktionen an Bord erfolgen fließend auf Englisch und Tagalog/Filipino.

2. Medizinische Koffer & Ausrüstung an Bord

Auch als Low-Cost-Carrier darf Cebu Pacific bei der medizinischen Notfallausrüstung keine Abstriche machen:

  • First Aid Kit (FAK): Auf jedem Flug (egal ob kurzer Hüpfer von Manila nach Cebu oder Langstrecke z. B. nach Sydney oder Dubai) befindet sich mindestens ein Erste-Hilfe-Kasten mit Standard-Verbandsmaterial, Desinfektionsmitteln, Dreiecktüchern und Einweg-Handschuhen.

  • Emergency Medical Kit (EMK / Doctor’s Kit): Ein erweiterter Notfallkoffer mit verschreibungspflichtigen Medikamenten (u. a. Epinephrin, Herzmedikamente, Blutdrucksenker), Spritzen und Stethoskop. Dieser ist versiegelt und darf nur von einem approbierten Arzt (oder unter Anweisung der Bodenstation) geöffnet werden.

  • Defibrillator (AED): Die Airbus-Flotte (A320, A321 und A330neo) ist mit automatisierten externen Defibrillatoren ausgestattet.

  • Universal Precaution Kits (UPK): Spezielle Schutz- und Infektionssets gehören nach den CAAP-Vorgaben ebenfalls zur Standardausrüstung.

3. Besonderheiten bei Cebu Pacific

  • Keine rezeptfreien Medikamente auf Anfrage: Wie bei vielen Billigfliegern üblich, geben die Flugbegleiter aus Haftungsgründen keine rezeptfreien Schmerzmittel (z. B. Paracetamol oder Ibuprofen) aus ihren Kisten an Passagiere ab. Passagiere müssen eigene Medikamente im Handgepäck mitführen.
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Falls ich es überlesen haben sollte, so bitte ich schon jetzt um Entschuldigung… aber:

Welche Fluggesellschaft war es denn?

Thai Airways

Danke und vielen Dank auch fürs Nachtragen, ist ja in diesem sehr umfangreichen Kontext keine so unwichtige Info.

Zu Thai Airways könnte ich viel sagen, aber das würde mir dann falsch ausgelegt werden. Auch will ich nicht alle asiatischen Fluggesellschaften über einen Kamm scheren. Da gibt es auch massive Unterschiede, teilweise auch von kulturellen Faktoren geprägt (siehe die berühmte Co-Pilot Thematik bei Korean Air…). Bei Singapore Airlines weiss ich, dass die Schulungen und Drills eher von der harten und konsequenten Sorte sind..

Mir ging es beim Erstellung des Themas eigentlich um den Soll-Zustand, also was man als Passagier im Notfall erwarten kann … ich gehe auch davon aus, dass dies bei Thai ein Ausrutscher war …

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Ein Kollege von mir, Arzt, erlebte vor längerer Zeit als Passagier auf einem KLM-Flug nach Manila einen solchen Notfall und musste sich um einen Passagier kümmern, dem es gesundheitlich sehr schlecht ging. Es wurde diskutiert, ob der Flug notfallmässig in Hongkong zwischenlanden müsste oder ob es dem kranken Passagier zuzumuten sei, bis Manila durchzuhalten. Die ganze Verantwortung für den Entscheid lag auf ihm. Er musste alle Pros & Cons abwägen. Schlussendlich entscheid er sich, dass ein Weiterflug nach Manila möglich sei.

Glücklicherweise überstand der Passagier/Patient den Flug & konnte in Manila in ein Spital überwiesen werden. Die KLM sparte eine teure, ausserplanmässige Zwischenlandung in Honkgkong. Für seine Dienste erhielt mein Kollege von der KLM ein „grosszügiges“ :wink: Dankeschön in Form eines Flugbons von US$ 50.- !!

Fazit: Nach diesem Erlebnis meinte mein Kollege, er würde zunächst mal abwarten, ob nicht ein anderer Arzt an Bord sei, sollte auf einem nächsten Flug wieder ein Notfall erfolgen. Verständlich, denn der Druck, der auf ihm gelastet habe, den Entscheid zu Fällen, sei enorm gewesen.

Naja, dafür nimmt der „Ausrutscher“ thematisch sehr viel Raum ein… :face_with_monocle: Da kommt dann automatisch und ganz natürlich die Frage auf, welche Airline das war. Wäre ja in jedem normalen Gespräch unter Menschen auch so. :person_shrugging:

Ich bin in meiner thailändischen Phase sehr viel mit Thai geflogen. Und ich habe eine gewisse Hilflosigkeit mehr als ein Mal erleben dürfen. Da kann ich Beispiele nennen bei Bedarf.

Und ich verorte da auch u.a. kulturelle Gründe. Trotz aller Regelungen und technischen Maßnahmen: Menschen müssen es umsetzen! Korean Air flog lange mit vergleichbaren Schulungen etc. und musste nach einigen Unfällen noch mal tiefer einsteigen, denn es haperte an der Umsetzung aufgrund von kulturellen Faktoren.

Holländer sind nun mal Geizhälse … :grinning_face: … ein kostenloser Flug wäre teurer gewesen, aber angebracht …

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Geld finde ich da sowieso eher peinlich, jeder Betrag wirkt da komisch. Ein kleines Dankschreiben der CEO (ich hatte schon mal die schriftlich die Ehre mit der Dame…) wäre da angemessener und auch irgendwie schöner gewesen. Ach ja, die emotionale Intelligenz in der Kommunikation… :wink: