Wer heute durch Manila fährt, begegnet zwischen dem geschäftigen Verkehr, modernen Gebäuden und den historischen Bauwerken der Stadt einem Gebäude, das schon von außen aus einer anderen Zeit zu stammen scheint: dem Manila Metropolitan Theater, kurz MET, an der Padre Burgos Avenue in der Nähe des Mehan Garden und des Manila Central Post Office.
Bildnachweis: The MET: A Treasured Edifice of Culture and The Arts - BluPrint
Mit seiner auffälligen Art-Déco-Architektur gehört das Metropolitan Theater zu den bedeutendsten historischen Bauwerken Manilas. Doch seine Geschichte ist weit mehr als die eines schönen alten Theaters. Das MET erlebte eine glänzende Vorkriegszeit, die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, Jahrzehnte des Niedergangs und schließlich eine aufwendige Wiederherstellung.
Heute steht es damit gewissermaßen selbst als Teil der Geschichte Manilas auf der Bühne.
Ein Theater für eine moderne Stadt
Die Geschichte des Metropolitan Theaters begann in den 1920er-Jahren. 1924 wurde der Bau eines großen Theaters im Bereich des damaligen Mehan Garden beschlossen.
Mit dem Entwurf wurde der philippinische Architekt Juan M. Arellano beauftragt. Arellano hatte Architektur in den USA studiert und sich dort unter anderem mit dem amerikanischen Theaterarchitekten Thomas W. Lamb beschäftigt.
Für das neue Theater wählte Arellano den damals modernen Art-Déco-Stil. Gleichzeitig sollte das Gebäude aber nicht einfach wie ein europäisches oder amerikanisches Theater aussehen. In seine Gestaltung flossen zahlreiche Motive und dekorative Elemente ein, die einen Bezug zu den Philippinen herstellten.
Der Bau begann 1930.
Am 10. Dezember 1931 wurde das Metropolitan Theater schließlich feierlich eröffnet.
Mit rund 1.670 Sitzplätzen war es damals ein großes und repräsentatives Haus. Das MET entwickelte sich schnell zu einem wichtigen kulturellen Mittelpunkt Manilas. Auf seiner Bühne wurden Opern, Zarzuelas, Theaterstücke, Konzerte und andere Veranstaltungen aufgeführt. Auch ausländische Künstler traten hier auf.
Es war eine Zeit, in der Manila kulturell einen ganz anderen Charakter hatte als die Millionenmetropole von heute.
Art Déco mit philippinischen Elementen
Das Besondere des MET liegt nicht allein in seiner Größe, sondern vor allem in seiner Gestaltung.
Juan Arellano verband die klare, geometrische Formensprache des Art Déco mit Motiven aus der philippinischen Natur und Kultur.
An der Fassade und im Inneren finden sich dekorative Elemente mit Pflanzen- und Blumenmotiven. Für verschiedene Skulpturen und dekorative Arbeiten waren Künstler wie der italienische Bildhauer Francesco Riccardo Monti und der philippinische Künstler Isabelo Tampinco verantwortlich.
Auch im Inneren des Gebäudes finden sich kunstvolle Reliefs und Wandgestaltungen. Besonders bekannt sind die Wandbilder des Nationalkünstlers Fernando Amorsolo.
Das Metropolitan Theater war damit von Anfang an mehr als nur ein Ort, an dem man sich eine Vorstellung ansah. Das Gebäude selbst war Teil des kulturellen Erlebnisses.
Der Krieg bringt die Zerstörung
Der Glanz dauerte allerdings nicht lange.
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Während des Zweiten Weltkriegs wurde Manila zum Schauplatz schwerer Kämpfe. Die Schlacht um Manila 1945 hinterließ in der Stadt eine Spur der Verwüstung.
Auch das Metropolitan Theater wurde schwer beschädigt. Teile des Gebäudes, darunter Dach und Wände, wurden zerstört.
Nach dem Krieg wurde das beschädigte Gebäude zwar wieder instand gesetzt, doch seine große Zeit war zunächst vorbei.
Das MET verlor seine ursprüngliche Funktion zunehmend und wurde in den folgenden Jahrzehnten für ganz unterschiedliche Zwecke genutzt. Aus einem der wichtigsten Kulturhäuser Manilas wurde zeitweise sogar eine Boxarena. Auch als Basketballplatz, Motel und Unterkunft für informelle Siedler wurde das Gebäude genutzt.
Die einstige „Grand Dame“ von Manila war zu einem verfallenden Relikt geworden.
Eine erste große Wiedergeburt
In den 1970er-Jahren gab es einen neuen Versuch, das Metropolitan Theater wieder zu seiner ursprünglichen Bedeutung zurückzuführen.
1978 wurde das Gebäude umfassend restauriert und anschließend wieder eröffnet.
Damit begann eine zweite Phase in der Geschichte des MET. Das Theater konnte wieder für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden und präsentierte insbesondere philippinische Produktionen.
Doch auch diese Wiedergeburt war nicht von Dauer.
Das Gebäude verfiel erneut und wurde schließlich 1996 geschlossen.
Danach begann eine besonders lange Periode des Wartens.
25 Jahre Dunkelheit
Nach der Schließung blieb das Metropolitan Theater über viele Jahre weitgehend ungenutzt.
Dabei war nicht nur der bauliche Zustand ein Problem. Auch Eigentumsfragen zwischen verschiedenen staatlichen Institutionen erschwerten eine dauerhafte Lösung.
Das Gebäude, das einst ein Symbol des kulturellen Lebens Manilas gewesen war, stand nun über Jahre hinweg weitgehend verlassen da.
2010 wurde das Metropolitan Theater vom National Museum als National Cultural Treasure anerkannt.
Bereits zuvor, 1976, war es zum National Historical Landmark erklärt worden. Damit erhielt das Gebäude einen besonderen Schutz und eine Bedeutung, die weit über seine eigentliche Funktion als Theater hinausgeht.
Der dritte Anlauf
Eine entscheidende Veränderung kam 2015.
Die National Commission for Culture and the Arts (NCCA) übernahm das Gebäude und begann gemeinsam mit anderen staatlichen Stellen mit der langfristig angelegten Restaurierung.
Dabei ging es nicht darum, einfach ein altes Gebäude neu zu streichen und mit moderner Technik auszustatten. Viele historische Elemente sollten erhalten oder möglichst originalgetreu wiederhergestellt werden.
Die Restaurierung dauerte mehrere Jahre.
Dann kam schließlich der große Moment:
Am 10. Dezember 2021, genau 90 Jahre nach der ursprünglichen Eröffnung, wurde das Metropolitan Theater wiedereröffnet.
Nach einem Vierteljahrhundert der Schließung öffneten sich die Türen der „Grand Dame“ wieder.
Ein Gebäude erzählt Geschichte
Vielleicht ist genau das die besondere Faszination des Metropolitan Theater.
Man kann seine Geschichte nicht auf die Jahreszahl 1931 reduzieren.
Das Gebäude erzählt gleichzeitig von der amerikanischen Kolonialzeit, vom kulturellen Aufbruch der Vorkriegsjahre, von der Zerstörung Manilas 1945, vom Wiederaufbau, von politischen und wirtschaftlichen Veränderungen und schließlich von einem neuen Bewusstsein für das kulturelle Erbe der Philippinen.
Es ist deshalb nicht nur ein Theater.
Es ist selbst ein Stück Manila.
Wer heute vor dem Gebäude steht, sieht eine restaurierte Art-Déco-Fassade. Dahinter verbirgt sich jedoch die Geschichte eines Hauses, das bereits mehrfach fast verschwunden war.
Die „Grand Dame“ ist zurück
Das Metropolitan Theater wird heute von der NCCA verwaltet und soll wieder als kultureller Veranstaltungsort dienen.
Ob es seine frühere Bedeutung tatsächlich dauerhaft zurückgewinnen kann, wird letztlich die Zukunft zeigen.
Seine Geschichte hat jedenfalls bereits bewiesen, dass ein Gebäude mehr als einmal von den Toten auferstehen kann.
1931 wurde das MET als eines der bedeutendsten Theater der Philippinen eröffnet.
1945 wurde es im Krieg schwer beschädigt.
1978 kehrte es erstmals zurück.
1996 schlossen sich seine Türen erneut.
2021 wurde es nach 25 Jahren wiedereröffnet.
Bildnachweis: The MET: A Treasured Edifice of Culture and The Arts - BluPrint
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Vielleicht passt deshalb kaum ein Satz besser zu diesem Gebäude als das alte Theatermotto:
The show must go on.
Und beim Manila Metropolitan Theater ging die Vorstellung tatsächlich weiter.




